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Emotionen verstehen – sich selbst und Mitarbeiter*innen motivieren

Auf Veränderungen reagieren

von Rebekka Tegtmeier

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Lesezeit:

6 Minuten

Veröffentlicht:

15.5.2020

Autor*in:

Rebekka Tegtmeier

Foto:

Felix Rohde

Wir Menschen sind bekanntlich Gewohnheitstiere. Fühlen wir uns in einer Umgebung sicher, fällt es uns schwer Änderungen anzunehmen und ihnen positiv zu begegnen. Möchte jemand eine Veränderung anstoßen, führt dies oftmals zu dem bekannten Satz: „Das machen wir schon immer so“ und „kann nicht alles so bleiben, wie es ist, es läuft doch gut“. Wir krallen uns an dem Bekannten fest, das für uns richtig scheint.

Es ist also normal, dass wir der Pandemie, die uns derzeit noch fest im Griff hat, mit Argwohn begegnen. Insbesondere, weil sie uns emotional viel abverlangt. Zum einen wegen der Verzichte, zum anderen, weil wir uns zumindest zeitweise scheinbar von der alten Weltordnung und dem, was wir bisher kannten, verabschieden müssen. Dabei wissen wir nicht, was nach der COVID-19-Krise passieren wird und welche Veränderungen wirklich eintreffen werden.

In den Medien werden insbesondere soziale Veränderungen genannt und wir merken sie zum Teil selbst. Dies führt dazu, dass wir schnellstmöglich zur alten Realität zurückkehren möchten, anstatt kreativ zu werden und offen für die entstehenden Chancen zu sein. Während in Unternehmen vor Corona z. B. bei Umstrukturierungen häufig "Change Manager" engagiert werden, um diesen Prozess für die Mitarbeiter*innen möglichst einfach zu gestalten, sind wir in der COVID-19-Krise auf uns gestellt und müssen in vielen Fällen allein einen Weg finden, mit unseren Emotionen umzugehen.

In Change Projekten mit Kund*innen versuche Ich immer den Führungskräften ihre eigenen sowie die möglichen Emotionen ihrer Mitarbeiter*innen vor Augen zu führen. Hierfür greife ich gerne auf die Kübler-Ross-Kurve der Veränderung zurück. Aus ihr können wir die negativen Emotionen ableiten, aber auch lernen, wie wir diesen positiv begegnen können. Die Betrachtung der Kurve ermöglicht uns also, besser zu navigieren und einzuschätzen, in welcher Phase eines Veränderungsprozesses wir uns derzeit befinden. Somit haben wir eine konkrete Grundlage, um uns in der Veränderung emotional zu öffnen und negativen Emotionen zu begegnen. Das heißt, wir müssen erkennen, in welchem Stadium des Abschieds wir uns befinden und wie wir hier eine Veränderung in uns selbst hervorrufen können.

Es ist an der Zeit zu Change Manager*innen unserer persönlichen Veränderung und Einstellung zu werden.

Eine allgemeine Einschätzung der bisherigen Ereignisse, eingetroffen durch COVID-19, sind in der Kurve dargestellt. Da jeder Mensch diese Kurve in unterschiedlicher Geschwindigkeit durchläuft, kann es sein, dass Sie die Ereignisse anders wahrgenommen haben, dies ist insbesondere von der persönlichen Veränderungskompetenz abhängig.

Die Kurve der Veränderung beginnt mit einer Art Schockzustand. Wir wissen, dass sich etwas verändert, können die Veränderungen jedoch nicht greifen. Es ist meistens die Phase der Gerüchte, die uns verunsichert. So vermutlich auch in der ersten Phase der Pandemie.

Während in China ganze Regionen vom Rest der Welt abgeriegelt wurden und auch in Italien langsam die Krankheits- und Todeszahlen immer weiter anstiegen, glaubten viele von uns noch immer, dass es uns nicht betreffen würde und noch sehr weit weg wäre. Daraufhin folgte die Phase der Leugnung und Verdrängung, in welcher der Veränderung bewusst aus dem Weg gegangen wird, zum Beispiel indem man sich einredet, „es sei nur eine Grippe“. Vielfach nehmen wir danach Wut und Frust wahr. Die damit aufsteigenden Ängste führen zur Ablehnung der Maßnahmen. Wir merken, dass sich etwas ändert, obwohl der Glaube bestand immun zu sein. Die Krise hat uns erreicht und wir mussten zu Hause bleiben. Die Restaurants und Bars, Kitas und Schulen wurden geschlossen, Eltern und Großeltern durften nicht mehr besucht werden. Auf einmal waren viel mehr Menschen betroffen, als anfänglich angenommen und jeder von uns war mittendrin. Das erste Anzeichnen der wirtschaftlichen Auswirkungen, z. B. durch das Stillstehen von Fabriken und dem Schließen von Restaurants zeichneten sich ab und führten zu weiterer Frustration. Mit dessen Anstieg wurden vielfach auch die ersten Widerstände mobilisiert.

Ist dies die Phase, in der wir uns gesamtwirtschaftlich derzeit befinden?

Für einen großen Teil der Bevölkerung vermutlich schon. Zu erkennen ist dies durch die Rufe nach Lockerungen, die immer lauter werden und den politischen Druck auf die Entscheider steigen lässt. Ein Abschied von dem bisher Bekannten fällt schwer, vor allem wenn das entstehende Ergebnis so unklar ist. In einem normalen Change-Prozess ist dies die Phase, in der die Widerständler*innen überzeugt werden müssen, bevor die Veränderung akzeptiert werden kann.

Warum können wir uns nicht auf den Übergang zwischen alter und neuer Realität einlassen?

Um uns zu öffnen, müssen wir die Gründe für den Widerstand erfassen und auflösen. Sind die Widerstände sachlicher Natur? Dann ist es an der Zeit, sich mehr mit dem Virus, der Verbreitung und den Folgen, auseinanderzusetzen. Das Verstehen der Hintergründe kann in dem Fall zu einer Akzeptanz der Situation führen. Haben wir Angst vor den wirtschaftlichen Folgen, könnte unser Streben auch politischen Ursprungs sein. Insbesondere dann, wenn durch die Krise der Job und damit die Existenz bedroht scheint, führen diese Widerstände zu einer Ablehnung.

Hier könnte es helfen, sich bewusst zu machen, welche Einschränkungen auf eine*n persönlich zukommen können, vielleicht auch mit der gesamten Familie die Thematik offen zu besprechen und neue Ideen zu sammeln, wie diesen Einschränkungen begegnet werden kann. Sind die Widerstände eher emotional-irrational? Auch das ist legitim! Eine sachliche Herangehensweise hilft uns dann jedoch nicht weiter. Vielleicht aber Gespräche mit anderen, das Benennen unserer Ängste und das Aufbringen von Verständnis für uns selbst. Wichtig ist die eigene Auseinandersetzung zu beginnen und eine innerliche Distanz zu schaffen, dessen Ziel ist eine Neubewertung der Situation zu ermöglichen. Nur durch die Neubewertung können wir den Widerstand überwinden und vielleicht zu Promotor*innen der post-COVID-19 Zeit werden.

Abschied bewusst erleben durch kurzes Innehalten

Um den Zustand zu erreichen, durchlaufen wir das Tal der Tränen. Vielleicht ist es der Tag, an dem Sie „Weltschmerz“ empfinden, einfach schlecht drauf sind und zu Hause vor sich hin grummeln, vielleicht machen Sie aber auch einen langen Spaziergang mit einem oder einer guten Freund*in. Es ist der Moment, um stehen zu bleiben und die unterschiedlichen aufkommenden Emotionen, von tiefer Traurigkeit bis zu großer Freude, zuzulassen, um an diesem Tiefpunkt Abschied zu nehmen.

Durch den Abschied erfolgt die Öffnung und damit ermöglichen wir nicht nur uns, sondern auch Anderen neue Chancen zu sehen. Damit ist nicht das Ausbrechen in einen blinden Aktionismus gemeint, sondern das Starten erster Experimente – das Austesten der momentanen Situation und das Finden von neuen Formaten, für das private und berufliche Leben. Die Öffnung ermöglicht uns zu realisieren, dass es vielleicht gar nicht so schlimm ist, eine Maske zu tragen, Menschen auf anderer Art zu begegnen und das tägliche Sportprogramm zu schaffen, weil wir weniger Zeit mit dem Pendeln zur Arbeit verbringen.

Wir werden zu Promotor*innen der post-Covid-19 Zeit

Wir verändern diese Krise nicht nur positiv für uns, sondern wir können auch Vorbilder für andere werden und ihnen helfen, der Zeit positiv zu begegnen und zu Gestalter*innen der Zukunft zu werden. Wir entscheiden uns also dafür, die neue Situation anzunehmen und diese auszugestalten. Wenn wir in dieser Phase entspannt mit uns und unseren Erfahrungen umgehen und Flexibilität zulassen, kommen wir zu einer neuen Realität. Wir integrieren neue Verhaltensweisen in unseren Alltag und sind damit vielleicht sogar effizienter, glücklicher oder auch klimabewusster geworden. Wie Sie sehen, sind die Möglichkeiten unendlich.

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